Real Talk: Warum Menschen, Menschen verletzen

Es gibt Menschen, die haben eine schlechte Aura. Angefangen beim ersten Wort, das aus dem Mund kommt. Das klingt dann irgendwie negativ. Gemein. Unhöflich. Hinterhältig. Vielleicht sogar auch böse.
Diese Menschen haben einfach nichts Besseres zu tun, als einem den Tag zu vermiesen, jemanden schlecht fühlen zu lassen oder Glücksmomente in Schlammpfützen zu verwandeln.

Ich hasse solche Menschen.

Dabei bin ich ein Mensch, der das Wort Hassen, eigentlich genauso schlecht findet.
Aber manchmal muss ich Dampf ablassen. Dann würde ich am liebsten laut schreien, alles was auf dem Tisch liegt mit einer ausschweifenden Handbewegung weghauen. Ich wünschte, ich könnte diese dämlichen Wuttränen abschalten. Nichts mehr an mich ranlassen. Dann kommen die Worte hier rein und hier raus und alles ist schon wieder vergessen und als unnötig abgestempelt.

Aber ich bin zu nett. Viel zu nett, um laut zu schreien oder einem an die Gurgel zu gehen. Sowas wäre ja schrecklich. Peinlich.
Und was würde man denn von mir denken?
Ich bin doch keine brüllende Ohrfeigenverpasserin. Keine Wie-du-mir-so-ich-dir-Verschwörerin. Rache ist süß und verlockend, aber wenn ich danach greifen will, setzt meine Vernunft ein und ich ziehe die Hand schnell wieder zurück als hätte ich mich an der Versuchung nach dem Bösen verbrannt.

Ob mich das zu einer Heiligen macht?

Manchmal, wenn da wieder dieser Nicht-Lieblingsmensch erscheint und den Tag mit einem simplen Kommentar vermiest, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Denn was ist das für eine Welt, in der Idioten es wagen, fies und beleidigend zu sein? Hat nicht alles über zehn Ecken einen logischen Sinn? Immerhin frisst die eklige Hausspinne an meiner Wandecke, die nervige Fliege und selbst das Mosquito, das mir nachts in die Haut sticht und vermutlich mit einem Strohhalm mein Blut wie ein Bloody Mary nuckelt, braucht es für ihre Baby Mosquitos. Also hat ja alles irgendwo eine Verknüpfung. The Circle of Life, wie es bei König der Löwen so schön heißt.
Aber diese Stimmungsvermieser in Gestalt unschuldig aussehender Menschen, die haben doch gar keinen Grund für ihre Handlungen. Welchen Nutzen ziehen sie daraus? Was für ein höherer Sinn steckt dahinter? Welche Hormone werden freigeschaltet? Können diese Menschen nachts dann besser schlafen? Ist es das? Die Befriedigung in etwas zu finden, das andere verletzt?

Ich frage mich, warum Menschen, Menschen verletzen.

Was ist mit Liebe deinen Nächsten wie dich selbst passiert?
Auch als Atheist oder Bibel-Ignorierer muss doch dieser gutgläubige Satz eine harmonische Empfindung auslösen.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Man muss ja niemanden sofort ins Herz schließen, aber wenigstens respektieren. Zumindest soviel, dass da noch sowas wie fade Harmonie herrscht. Etwas, das nicht ausartet. Etwas, das beide Parteien mit einem Schulterzucken zufrieden stellt.
Kriegsbeile werden unter der Erde gelassen. Weiße Flaggen werden nie gehisst. Niemand erschießt den anderen mit gehässigen Worten. Jeder ist friedvoll. Mit seiner Welt. Mit seiner Meinung. Mit seiner Ansicht. Mit seinen Gedanken. Was der andere macht, kann einem doch egal sein.

Aber vielleicht ist genau das der Punkt.

Es kann eben nicht egal sein. Da geht doch etwas im Kopf vor. Eine Empfindung. Ein Auslöser. Ein Grund. Vielleicht Eifersucht? Unsicherheit? Selbstzweifel? Frust?
Jeder hat doch meistens ein Motiv. Umso verletzender die gewählten Worte, desto größer wird der eigene Schutzpanzer. Der Schutz vor Kontra.
Oder der Wahrheit. Manche Wahrheiten sind hässlich. Zu hässlich, um sie akzeptieren zu wollen. Manchmal reicht ein Blick in den Spiegel um zu erkennen, dass schimpfen auch nichts ändert. Denn wenn man andere so dringend schlecht machen möchte, sollte man vorher vielleicht mal einen Selbstcheck durchführen. Wie perfekt bin ich eigentlich um das Recht zu haben, andere zu kritisieren? Was macht mich zu etwas Besserem? Gar nichts.

Wir sind alle nur Menschen.

Ob wir es wollen oder nicht. Mit einem Nicht-Lieblingsmenschen oder ohne. Und so gern ich meinen auf den Mond schießen möchte, habe ich trotzdem noch Respekt. Zumindest so viel, um schwach zu lächeln. Jeden Tag. Gedanklich zeige ich den Mittelfinger, werfe mit allem was kracht und zersplittert und brülle wie ein Orang-Utan. So kann man auch leben. Denn ich kann den brodelnden Vulkan in mir wieder mit einem Schwall Wasser löschen ohne zu explodieren und ohne mit Worten voller fliegenden Patronen zu schießen. Ich muss niemanden beleidigen oder zum Weinen bringen. Ich muss es nicht. Ich habe nämlich eine Wahl. Und ich wähle die schöne Seite der Welt. Eine Welt, in der die Glücksmomente überwiegen und die Schlammpfützen leicht zu überspringen sind.
Menschen müssen Menschen nicht verletzen.
Es passiert doch schon genug um uns herum.

Wieso benutzen wir Worte auch noch als Waffe?


photo: voyeurchic.tumblr.com

Advertisements

2 Gedanken zu “Real Talk: Warum Menschen, Menschen verletzen

Leave a comment

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s