Irland: Galway

Nur weil die Cliffs of Moher in der Nähe sind, habe ich Galway ausgesucht. Etwas herzlos, wenn man es sensibel betrachtet und doch die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.

Galway war mal ein Ort für eine Geschichte, die ich geschrieben habe. Die Protagonistin sollte irgendwo in Irland leben. Keine Großstadt, etwas verträumtes, ruhiges, abgelegenes. Ich hatte keinen blassen Schimmer was es alles in Irland gibt, geschweige denn, wo ich genau diesen Ort auf der Insel finden sollte. Dank Google Maps habe ich die Landkarte vor Augen gehabt und ohne lange zu zögern, genau diesen Ort rausgesucht. Galway.

Mit dem Bus geht es von Dublin nach Galway.
Es ist früh. Es ist kalt. Ich habe Hunger. Die Pfützen auf den Straßen verraten, dass es über Nacht geregnet hat. Irgendwann, als ich vermutlich im Halbschlaf in meinem Stockbett lag, mit Augenmaske und Ohrenstöpsel ausgerüstet. Bloß nicht umdrehen, ertönte meine innere Stimme auch im Traum. Denn wenn ich mich umdrehe, wackelt das ganze Bett und meine Schwester, die das Bett unter mir hat, wackelt gleich mit. Vice Versa.
Aber so sind nun mal Mehrbettzimmer mit billigen Stockbetten. Man darf sich von den bunten Farben nicht blenden lassen.

Zusammen mit den anderen gähnenden Wartenden, stehen wir früh und kühl am Morgen am Bordsteinrand, in der zitternden Hoffnung, der Bus taucht endlich auf. Und da ist er! Ein Reisebus, sofort startbereit. Wir werden eingesammelt, verstreuen uns und fahren auch gleich weiter. Quer durch Dublin, rein in den morgendlichen Verkehr und wieder raus auf die freie Schnellstraße. Die Fahrt dauert 2,5 Stunden. Zeit für ein Sandwich-Schoko-Kekse-Onion/Cheese-und-Prawn/Cocktail Chips-Frühstück. Hmmm…

Es ist düster, nebelig und regnerisch. Doch trotz der hängenden Wolken ist es wie eine trübe Kerrygold Werbung. Ich sehe grüne Wiesen, Kühe und Schafe. Bauernhöfe und kleine Dörfer. Ich bin glücklich, weil ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg in das richtige Irland bin. Das städtische Treiben in Dublin ist auch berauschend und wunderschön, aber das nicht existierende Landmädchen in mir, scheint mit jeder weiteren grasenden Kuh auf der Weide, plötzlich freudestrahlend aufzublühen.

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Und dann sind wir da. In Galway. Das Hostel befindet sich nur ein paar Meter vom Busbahnhof entfernt. Ich bin sofort verliebt. In das Hostel. Und allein das zeigt, dass auch der Rest von Galway mich nicht enttäuschen wird. Wir trotzen der Müdigkeit und dem Faulenzer und spazieren durch die Ortschaft. Ich weiß nicht, was mich so wahnsinnig begeistert, aber ich komme aus dem Dauergrinsen nicht mehr heraus. Wir schlängeln uns an Touristen, Einheimische und Studenten vorbei, spazieren durch den Eyre Square und weiter durch die engen, holprigen Gassen. Im Hintergrund wird musiziert und gesungen, Menschen lachen und unterhalten sich, in Pubs klirren Biergläser aneinander und jeder scheint einfach nur vollkommen zufrieden zu sein. Die grauen Wolken lichten sich und bringen die strahlende Sonne hervor. Wir spazieren über die Brücke und weiter bis an den Hafen. Postkarten-Momente. Alles wird fotografisch und gedanklich festgehalten, denn solche An- und Ausblicke bekommen wir nicht so schnell wieder.

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Es geht weiter durch den South Park und ans Wasser. Wasser! Endlich! Wir stehen direkt am Atlantischen Ozean und da ist er: der salzige Geruch. Genau diesen Geruch liebe ich so sehr. Glücksgefühle Hoch Zehn.

Der nächste Tag beginnt mit einer Tour zu den Cliffs of Moher und Burren. Wir checken schweren Herzens aus dem Hostel aus, verstauen unsere Backpacks und hechten zum Busbahnhof.
„Wenn wir Glück haben, wird es eine kleine Gruppe“, sage ich.
Wir haben Pech.

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Schon wieder ein Reisebus, der bis zum hinteren Platz voll ist. Amerikaner, Engländer, Deutsche, Franzosen, Spanier…alle sind an Bord. Gerry, unser Guide, braucht ein Mikrofon, damit ihn alle verstehen. Dann geht es endlich los. Das Wetter ist blöd und Gerry bittet uns im dreißig-Minuten-Takt glücklich und strahlend zu sein, denn nur so kommt die Sonne heraus. Wir strahlen alle um die Wette, denn niemand möchte bei Regen und düsteren Wolken auf den Klippen stehen müssen. Wir fahren durch Galway und weiter hinaus in die südlicher gelegene Karstlandschaft, The Burren. Es ist faszinierend merkwürdig, wie diese Berge aussehen. Als Highlight dürfen wir den Poulnabrone Dolmen bestaunen.

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Ein Zwischenstopp im Pub hebt die erschöpfte Stimmung.
Dann geht es weiter in Richtung Cliffs of Moher. Gerry hatte Recht. Das Grinsen hat sich gelohnt, denn kaum sind wir da, lösen sich nach und nach die Wolken und die langersehnte Sonne kommt zum Vorschein. Es ist toll hier! Die Klippen sind der Wahnsinn! Kilometerlang erstreckt sich der Wanderweg und hätten wir länger Zeit, dann wäre ich ewig gewandert bis kaum noch ein Tourist zu sehen ist. Aber 1,5 Stunden gehen schneller um als man denkt. Also wird fotografiert was das Zeug hält. Stechmücken und andere Mücken tanzen einem dabei vor die Linse und vor die Nase. Nervig, aber man muss Opfer bringen, denn solche Klippen sieht man schließlich nicht jeden Tag.

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Wir sind alle kaputt und müde. Die Hälfte schläft im Bus ein, doch Gerry hat noch mehr Überraschungen auf Lager. Er scheucht uns nach einer kurzen Fahrt wieder hinaus in die Freiheit. Denn da draußen gibt es noch mehr Klippen.
„The Baby Cliffs“, sagt er und strahlt. „They are my favorites.“

Und tatsächlich. Sie sind vielleicht nur halb so hoch wie die Cliffs of Moher und komplett steinig, aber wunderschön. Ich wiederhole: wunderschön!
Der Himmel ist klar, die Sonne macht sich allmählich für den Untergang bereit. Die Aussicht ist perfekt. Obwohl mein Herz für die Cliffs of Moher schlägt, kann ich Gerry nur zustimmen. Die kleinen Klippen sind sogar einen Tick bezaubernder.

Ich beneide die Wildcamper, die ihr Zelt direkt an den Klippen aufgestellt haben. Wie gern würde ich morgenfrüh aufwachen, den Reißverschluss des Zeltes öffnen und diese wahnsinnig tolle Aussicht haben. Noch besser kann ein Morgen doch gar nicht beginnen!

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Zurück in Galway bleibt kaum Zeit zum Luftschnappen. Backpacks holen, den letzten Bus nach Dublin nehmen und in die abendliche Dunkelheit fahren. Ich verabschiede mich nicht von Galway, denn wozu Tschüss sagen, wenn man doch irgendwann wiederkommt?

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Bus: GoBus von Dublin nach Galway ab 12 EUR

Hostel: Galway City Hostel ab 19 EUR

Tour: Cliffs of Moher & Burren ab 25 EUR

Bus: Citylink von Galway nach Dublin ab 12 EUR

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10 Gedanken zu “Irland: Galway

  1. Was für ein toller Bericht von deiner Reise nach Galway! Diese Bilder… der Hammer! Und wie du schreibst, dass alles so toll dort ist und ein allgemein fröhliches Gefühl voller Lebensfreude vorherrscht zaubert auch mir als Leser ein Grinsen aufs Gesicht 🙂 Das nächste Mal wenn du da bist, halte nach dem Aufwachen in deinem Zelt an den Cliffs of Moher Ausschau nach einem blauen Ein-Personen-Zelt, da bin ich dann drin 😛

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    1. Vielen Dank! Galway hat es mir besonders angetan, dabei kann ich mir gut vorstellen, dass Irland noch viele andere hübsche Ecken zu bewundern hat.
      Hahaha! Okay mach ich, wenn ich mein Wurfzelt davor hoffentlich nicht versehentlich über die Klippen geworfen habe. 🙂

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