Irland: Dublin

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Ein Blick aus dem Fenster und ich sehe Dunkelheit. Nur leuchtende Punkte zaubern aus der Finsternis eine funkelnde Stadt und ich weiß, ich habe es geschafft. Der Tag war lang genug, jetzt kommt meine ganz persönliche Belohnung: Dublin, here I come!

Mit Irland verbinde ich meine Kerrygold Butter, St. Patrick’s Day und den Dubliner Pub in Heidelberg. In anderen Worten: eigentlich so gut wie gar nichts.
Meine Erwartungen waren klein und meine Vorfreude groß. Sobald die Maschine in Dublin landete und die Massen in den halbleeren Flughafen stürmte, nur um hinaus in die Dunkelheit zu flüchten, wusste ich, dass es hier nur gut sein kann.

Mit dem Airlink Bus geht es in 30 Minuten vom Flughafen ins Zentrum und für uns fast vor die Haustür des Hostels. Fast. Denn wir sind zu begeistert, zu aufgeregt, zu fasziniert und zu durcheinander um zu realisieren, dass wir eigentlich aussteigen müssen. Also fahren wir weiter. Ich verfolge die Fahrt sogar auf meiner City Map App und frage mich laut, ob der Bus irgendwann auch wieder umdreht und zurück in Richtung Hostel fährt.
Natürlich macht er das nicht. Wir fahren noch einige Haltestellen weiter bis der Bus fast leer ist. Die Vorfreude wandelt in Unsicherheit. Es ist spät, ich bin müde, habe Hunger und will einfach nur ins Bett. Schlechte Kombinationen für eine planlose Busfahrt quer durch das abendliche Dublin. Aber wir sind jung und brauchen das Geld. Wir steigen kurzerhand bei der gefühlten zehnten Haltestelle aus und laufen erst einmal ein großes Stück zurück. Immer schön am Fluss Liffey entlang.

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Und dann entdecken wir ein Taxi an der roten Ampel. Ohne groß zu zögern, geben wir dem Fahrer ein flüchtiges Handzeichen und setzen uns in den Wagen. Die Fahrt dauert nicht einmal 10 Minuten und kostet etwas über 6 EUR. Wie ungewohnt es ist, mit Euro zu zahlen! Es erleichtert die Tatsache keine fremde Währung zu wechseln. Ob das im Großen und Ganzen positiv oder negativ ist, kann ich immer noch nicht so genau sagen.

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Der nächste Morgen verspricht eine kostenfreie Walking Tour, organisiert durch das Hostel. Genau das richtige um sich die Stadt von Einheimischen zeigen zu lassen. Den Reiseführer habe ich zur Abwechslung mal im Amazon Wunschzettel liegen gelassen, denn spontan soll es ja sein. Zumindest spontaner für meine sonst eher mangelhafte Spontaneität. Und es klappt! Aus der Walking Tour wird nichts, weil einfach niemand auftaucht, also wird die Stadt selbst erkundet. Wir irren und wirren durch das schöne, moderne Dublin. Obwohl die Stadt groß ist, kann man relativ vieles zu Fuß erreichen und entdeckt somit den ein oder anderen talentierten Straßenmusikanten, viele junge Studenten und grüne, süße Souvenirläden. Aber uns findet man im Guinness Storehouse!

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Das Storehouse kostet natürlich Eintritt, doch dafür bekommt man auch jede Menge historischen Hintergrund rund um das berühmte Guinness erzählt und gezeigt. Als kleines Highlight darf ich sogar meinen eigenen Pint ganz nach der professionellen Art und Weise einschenken und hinterher stolz genießen. Natürlich wird vorher geübt, wie man auch richtig probiert. Herb im Geschmack, bitter im Abgang. Mit einem Zertifikat verlasse ich das Guinness Storehouse und wandere weiter in den ältesten Pub Irlands. The Brazen Head. Da Rugby League ist, hält sich gefühlt halb Dublin im Pub auf. Ein amüsantes Spektakel, mit zahlreichen „Oh‘s“ und „Ah‘s“, die ansteckend wirken.

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Ich mache es mir bei jeder Reise zur eigenen Pflicht, nur landestypische Spezialitäten auszuprobieren. So auch in Irland. Das Irish Stew ist fabelhaft köstlich! Genau wie das Beef and Guinness Stew, Fish and Chips, Bangers and Mash, Irish Breakfast…und natürlich jede Sorte Cider.

Ganz nach dem spontanen Prinzip wird für den nächsten Tag ein Trip nach Galway gebucht. Mit dem Bus ist man in nur 2,5 Stunden an der Westküste. Da wo die Fischer in wackeligen Booten sitzen, die Natur ihre Wunder offenbart und alles etwas ruhiger zugeht. Ich liebe Galway, obwohl der heutige Tag regnerisch und trüb ist. Ein kleiner, fast überschaubarer Ort, der mir das grüne Irland von seiner „echten“ Seite zeigt. Es mag merkwürdig klingen, aber hier ist das Gras tatsächlich grüner. So grün, dass man meint, den Sättigungsfilter auf Instagram verwendet zu haben. Mit seinem eigenen Auge. Verrückt, ich weiß.

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Mit dem Tour Bus geht es zu den Cliffs of Moher. Monströse , kilometerlange Klippen wie man sie eigentlich nur auf Bildern und Postkarten sieht. Mein persönliches Highlight der Reise. Der An- und Ausblick ist atemberaubend. Und wir haben Glück! Garry, der Guide, hat gesagt, wir müssen immer lächeln, damit die Sonne hinter den dicken, grauen Wolken endlich hervor kommt. Und sie ist da. Pünktlich um fabelhafte Fotos zu knipsen.

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Die Nacht wird in Galway verbracht und der nächste Tag so lange ausgekostet, bis der letzte Bus zurück nach Dublin fährt. Am liebsten würde ich die komplette Insel abfahren, unabhängig, ohne Rückflugticket, Zeitplan und Gedanken an den Alltag. Ein bisschen geht mein Wunsch der kleinen Rundreise in Erfüllung, denn was wäre Irland ohne Game of Thrones? Wir sind alle Nerds, als wir im Bus sitzen und zu Beginn gleich mal ein Quiz zur Wissensprüfung machen dürfen. Jeder weiß etwas und doch schafft es nur ein Kerl, alle zehn Fragen korrekt zu beantworten. Wir nennen ihn nun: The King in the North.

Wir fahren in den Norden, hinauf in Richtung Belfast und parken den riesigen Bus vor den wuchtigen Steinmauern von Winterfell. Dort geht das Feeling dann erst richtig los. Denn was wäre Winterfell ohne WINTER FELL?
Jeder bekommt einen dramatisch langen Pelzumhang über die Schultern geworfen und dann geht die Erkundungstour los. Wir spazieren durch Wälder und Felder schauen uns Film Locations an, dürfen die passenden Szenen auf dem iPad anschauen, machen Fotos, posen in ernsten Posen und werden von Spaziergängern merkwürdig angesehen. Aber das kümmert uns nicht. Nicht heute. Nicht in diesen coolen Umhängen.

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Nach dem Zwischenstopp im Pub treffen wir auf einen Statisten der Serie, samt seinem (gutaussehenden) Sohn, der in der Serie Vikings mitspielt und deren zwei Huskies. Diese besonders süßen, flauschigen Huskies haben die Direwolf Welpen in der ersten Staffel gespielt! Bran Starks Summer und Robb Starks Grey Wind! Hallo?! Ist das nicht toll? Und weil wir Nerds unsere Euphorie nur dezent ausbrechen lassen möchten, erzählt uns der Statist stolz von seinem FAME Buch. Ungelogen, es heißt tatsächlich so. Dort hat er alle möglichen Fotos gesammelt und natürlich sich selbst als ein bärtiger Anhänger aus Khal Drogos Klan im Hintergrund.

Und so ist auch die Dublin Reise zu einem wunderbaren Ende gekommen. Montags ist das Wetter zum ersten Mal schlecht, aber das kann uns nun egal sein. Wir haben die Strahlen der Sonne genießen dürfen. Nichts und niemand kann also diese wohlige Seifenblase des Glückes zerstören. Ich wiederhole: nichts und niemand.

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Außer Aer Lingus (sorry, nichts gegen Aer Lingus). Als es plötzlich heißt, der Flug hat Verspätung und nun der Zug in Frankfurt rausgeht und die nächsten, überteuerten Züge nur bis Mannheim fahren, weil alles was danach folgt einfach entfällt und man spätabends in Frankfurt am Flughafen sitzt, völlig müde und erschöpft und jemand ruft, dass Lukas Podolski und Schweini da sind und man dafür aber gerade keinen Kopf hat. Und dann letztendlich um kurz vor Mitternacht nach Frankfurt fährt, in einem Hostel schläft und von dem Marokkaner im Döner nebenan darauf hingewiesen wird, dass die Männer in Grün und Blau des Öfteren dort vor der Tür stehen. Und dann tauchen auch noch frühmorgens zwei Koreanerinnen im Mehrbettzimmer mit riesen Koffern auf, nur um abnormalen Krach zu machen, sodass es sich nun sowieso nicht mehr rentiert zu schlafen. Man also schnell frühstückt, den nächsten Zug nimmt und verspätet um 10 Uhr im Büro sitzt. Mit Jogginghose. Kopfschmerzen. Und Backpack im Schrank.

Aber keine Sorge, das ist eine andere Geschichte…


Flug: Aer Lingus ab ca. 45 EUR

Hostel: Isaac’s Hostel ab 16 EUR

Hostel: Galway City Hostel ab 19 EUR

Tour: Cliffs of Moher & Burren ab 25 EUR – Game of Thrones ab 55 EUR

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13 Gedanken zu “Irland: Dublin

  1. Pingback: Irland: Galway |
    1. Ein Road Trip hört sich super an! Nordirland ist auch richtig toll! Ich wäre gern bis zur Küste gekommen, denn dort gibt es auch Tolles zu entdecken, wie die Carrick-a-Rede Brücke. Da möchte ich unbedingt drüber laufen!! 😀
      LG Sam

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  2. Hey! Die Game of Thrones Tour hört sich echt super interessant an. Wenn ich mich mal in Irland aufhalten sollte, werde ich diese Tour auf jeden fall buchen! Die Cliffs sehen ja auch total beeindruckend aus. Ich kann mir schon fast vorstellen wie es dort oben sein muss nach deiner Beschreibung 😉 Sogar auf das irische Essen hab ich jetzt Appetit bekommen! 😀

    LG Uschi

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  3. Wunderbare Reise die du da nach Irland gemacht hast! Die Cliffs of Moher (wollte erst Mother of Cliffs schreiben, wäre vermutlich nicht so falsch gewesen) scheinen wohl echt beeindruckend gewesen zu sein, richtig geiles Foto hast du da gemacht. Und ich könnte nach meinem England-Trip auch wieder ein Guinness vertragen, schmeckt gut oder? Ich finde es geht auf jeden Fall gut runter 🙂
    Ich möchte auch mal nach Galway, hast du echt gut beschrieben mit dem Instagram-Filter, für so ein sattes Grün verbringe ich die ein oder andere Stunde in Photoshop mit haha 🙂
    Echt coole Eindrücke, hast mir Irland schmackhaft gemacht und sind wir ehrlich, wenn man mit absolut keinen Erwartungen eine Reise antritt, dann kann es einfach nur gut werden (die kleinen Ungereimtheiten mal außen vor gelassen) 🙂
    Liebe Grüße, Jim

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    1. Mother of Cliffs…hahahahhaha!
      Hier in Deutschland hat mir das Guinness überhaupt nicht geschmeckt und in Irland wollte ich daraufhin kein Guinness probieren, aber da ich es selbst eingeschenkt habe, kam ich nicht drum rum. Und es war lecker! So bitter-herb, wirklich nicht schlecht! 😀
      Ja, das Gras ist sooo grün! Das Foto im Beitrag ist ohne jeglichen Filter.
      Irland ist super schön. Freut mich, dass ich es dir schmackhaft gemacht habe.
      Ich persönlich würde beim nächsten Mal nur 1-2 Nächte in Dublin bleiben und danach gleich weiter nach Galway. Oder Cork. Das steht auf meiner Liste als nächstes. Aber um das richtige, landschaftliche Irland kennenzulernen, sollte man nicht unbedingt in der Stadt bleiben.
      Und jetzt lese ich mir deinen England-Beitrag durch! 🙂

      Liken

  4. Dank deiner Inselbeschreibung und den schönen Fotos ,möchte ich 2016… jetzt auch diese Reise erleben und freue mich darauf . EM-Qualifikation ist heute Irland -Deutschland in Dublin . Lizzi

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  5. Zu einem Cider würde ich jetzt auch nicht nein sagen 🙂

    Seltsam, dass ich mich als großer Serien-Nerd noch nicht an Game of Thrones heran getraut habe. Aber deine Beschreibungen und die Bilder machen mir jetzt doch definitiv Lust darauf.

    XOXO

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  6. das hört sich echt vielversprechend an! und ihc freu mich schon – ich verbringe silvester in dublin und hab dann noch ein paar tage für nordirland. und wenn mein rücken mitmacht, dann mache ich vielleicht auch so eine cliffs of moher tour – obwohl 6h an einem tag im bus doch weit sein könnte. maaal sehen ^.^

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    1. Silvester in Dublin ist bestimmt auch richtig toll! Der Ausflug zu den Klippen ist zwar ganzjährig, aber achte bitte darauf, dass das Wetter dann auch einigermaßen klar genug ist, sonst siehst du vor lauter Nebel evtl. die Klippen gar nicht. Und das wäre ja schade, weil sie einfach wunderschön sind! 🙂

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